Als Sitz des Museums dient ein aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammendes Palais. Dies ist die ehemalige Residenz von Karl Scheibler, einem der größten Lodzer Textil-Fabrikanten deutscher Herkunft. Wegen seines Reichtums und seiner Leistungen wurde Scheibler in der Textilindustrie auch "König der Baumwolle" genannt.
Die heutige Gestalt im Neorenaissancestil erhielt das Palais nach dem Umbau in den Jahren 1886 - 88. Dank seiner guten Lage im alten Park "Zródliska", neben dem riesigen Komplex "Ksiezy Mlyn" ("Priestermühle")
mit der ehemaligen Fabrik und einer Arbeitersiedlung, ist es ein Zeitzeugnis der vielschichtigen kulturellen Wurzeln der Stadt Łódź und deren herrschender Rolle als Zentrum der Textilindustrie.
Die schlichte und ausgeglichene Gebäudefassade steht im Kontrast
zu den eklektisch und prächtig ausgestatteten Innenräumen.
In einem guten Zustand sind Stuckarbeiten, Kamine und Öfen, Malereidekorationen, Holzvertäfelungen und Möbel, Bezugsstoffe, Tapeten, Mosaike, Fußböden und Glasfenster erhalten.
Sie umrahmen eine lebendige Dokumentation nicht nur über die Zeit der Entstehung und Entwicklung der Industriestadt Łódź, sondern auch über die
Geschichte des polnischen Kinos: das Palais hatte durch zahlreiche Nachkriegsjahre
viele unterschiedliche Besitzer und seine Innenräume wurden als Filmkulissen benutzt. Hier wurden einige Dutzend polnische Filme gedreht, unter anderem das Meisterwerk von Andrzej Wajda "Das Gelobte Land".
Das Museum für Kinematographie, das seit 1986 das Palais (samt dem ehemaligen anliegenden Wagenschuppen und dem Hof) umfasst, sammelt die Exponate und schafft die Dokumentation zur Geschichte der polnischen Kinematographie (Kunst, Technik und Filmproduktion), dessen Zentrum Łódź eine lange Zeit hindurch war.
Das Museum bemüht sich, die Tradition zu erhalten und die Palaisgeschichte darzustellen, sowie die Geschichte der Familie Scheibler und ihrer nicht unbedeutenden Rolle bei der Entwicklung der Industriestadt Lodz zu betonen.
In der Museumssammlung befinden sich wertvolle, oft einzigartige Geräte aus der Vorzeit der Erfindung des Kinos: Zauberlaternen (laterna magica), Stereoskope und optische Spielsachen. Eine echte Perle darunter ist das originale, dauerhaft ausgestellte Fotoplastikon aus dem 19. Jahrhundert, das in der Firma von August Fuhrmann hergestellt wurde.
Es gibt auch Amateur- und professionelle Filmkameras (die ältesten stammen vom Anfang des 20. Jahrhunderts) für Filmstreifen mit unterschiedlichen Breiten, auch solcher Art: Dia- und Film- projektoren, eine große Sammlung von Filmapparaten und Filmkameras, Maschinen und Geräte zur Bearbeitung der Filmstreifen,
Beleuchtungsausrüstung und Hilfsausrüstung.
Einen wichtigen Sammlungsteil bestimmen szenographische Darstellungen und Projekte für
Kostüme in Spielfilmen, Projekte und die Bühnenausstattung für Zeichentrickfilme, Poster, Fotodokumentationen der ausgewählten Realisationen, Preise und persĂśnliche Erinnerungen an die größten Schöpfer des polnischen Kinos.
Die Sammlung von Filmplakaten polnischer und in Polen gezeigter ausländischer Filmen, gehört zu den größten Sammlungen dieser Art in Polen. Diese Plakate werden oft bei inländischen und ausländischen Ausstellungen, u.a. in den USA, Kanada, Deutschland, der Ukraine, Dänemark und Tschechien, gezeigt. Andere Sonderausstellungen sind vor allem ausgewählten Themen und Zeiträumen der Geschichte des polnischen Filmes, gegenwärtigen polnischen groüen Spielfilmproduktionen, Kinderfilmen sowie Monographien hervorragender Schöpfer gewidmet.
Weitere Themenschwepunkte des Museums umfassen die Personen der Regisseure, Kameraleute, Szenografen, Filmproduzenten, Schauspieler, Drehbuchautoren,
Historiker und Filmkritiker, sowie jungen Adepten der Filmkunst, die an der in der Nähe des Museums liegenden, weltbekannten Staatlichen Hochschule für Film, Fernsehen und Theater in Lodz studiert haben.
Das Museum ist auch als Organisator gesamtpolnischer Veranstaltungen bekannt. Zum Beispiel dem Festival der Filmmusik und dem Medienfestival "Der Mensch in Gefahr", das sich mit zeitgenössischen sozialkritischen Dokumentarfilme aus Polen beschäftigt.